pwndora zuechtet Babyfische III

Kommentare
6 Antworten zum Artikel “pwndora zuechtet Babyfische III”
  1. skatermouse sagt:

    ” … ein recht langweiliges Browsergame ist … Uns bleibt es ein Mysterium, wer die eingefleischten Babyfischzüchter dieser Welt sind und was sie motiviert”

    Gar fest bin ich davon überzeugt, mein lieber Kollege, dass gerade dies das Ziel jener glorreichen Entwickler gewesen sein durfte als sie, womöglich durch einen wiederholten Aufschrei ihrer chronischen Frustration oder einen sorgenvollen therapeutischen Rat inspiriert, die Feder zum allerersten Sketch ansetzen ließen. Ich möchte behaupten, die gestreckte Monotonie sei in diesem Fall das gewünschte Mittel zu einem noblen Zweck.

    Unter der blassen Schale eines trivialen Browsergames verbirgt sich weitaus mehr als es dem regulären Beobachter im flüchtigen Vorbeiflug aufgefallen wäre. Das Konzept des Spiels dreht sich doch, meiner Ansicht nach, eindeutig um den Kern der immerfort gestellten Frage nach wirkungsvoller Verarbeitung menschlicher passiv-aggressiver Frustration und ihrer weiterführenden Verarbeitung in positive Güter wie Liebe oder Gelassenheit (weitergehend natürlich in daraus entstehende materielle Leckereien wie Cookies oder selbstgemachte Lakritze-Bonbons, aber soweit möchte ich diesmal, wenn du erlaubst, nicht spekulieren). Aqua Zoo will eine, symbolisch bezeichnet, „2.0 Auflage“ längst bekannter Therapietechniken sein. Bekräftigen möchte ich meine gewagte These durch ein beispielhaftes Zitat von Karl Marx, denn schon damals schrieb er an Nietzsche:

    “Wann auch immer der unüberwindliche Drang einem Kapitalistenschwein kräftig in das Allerwerteste zu treten Einzug vor den Toren meines Herzens hält, fahre ich, lieber Friedrich, geschwind hinaus auf das Anwesen meiner Großtante. Dort, in den wohlduftenden Gärten meiner Kindheit erlaube ich mir bei der Arbeit einen oder gar zwei Karpfen aus dem Teiche zu fischen nur um sie gleich danach väterlich und zärtlich in meinem Schoß unterzubringen, schon kehrt wieder Frieden und stille Glückseligkeit in die Tiefen meiner trüben Seele”

    Auf deine Frage nach dem mysteriösen Babyfischzüchter hin erscheint mir das Bild eines durch seine Arbeit und Lebensumstände aufgefressenen Bürojob-Frank vor meinen Augen. Dem alten Marx ganz entgegen hat er weder eine liebe Großtante, noch einen wohltuenden Karpfenteich das er sein eigen nennen kann, den leckeren Bratkarpfen aus dem Supermarkt könnte er sich auch nie wirklich oft leisten. Der Wille dieses Mannes scheint gebrochen, die Arbeit bringt keine Freude, seine Haarpracht verabschiedet sich nach und nach von ihm, durch seine übergewichtige Frau gezwungen raucht er nur noch elektronische Dampfzigaretten, der einzige Platz wohin er gehen kann ist kein wohlduftender Kindheitsgarten, sondern seine Wohnung in einer Marzahner Plattenbausiedlung. Dieser Mensch möchte Schreien! Doch hat er es längst verlernt. Aqua Zoo nimmt ihn bei der Hand und vermittelt ihm zuerst grundlegende emotionale Presets die ihm im echten Leben so fehlen: aufrichtige emotionale Verbundenheit dem virtuellen Fisch gegenüber, später geweckte Väterliche Instinkte und Vorfreude süßer Verantwortung, sogar väterliche Konkurrenz falls ein Kollege am Arbeitsplatz ebenfalls Babyfische züchtet. Unter geplanten Umständen würde sich der Spieler seinen Trost je nach Bedarf gegen Geld bei seinen kleinen virtuellen Freunden holen und sich so mit seiner Situation etwas mehr abfinden.

    Der Witz an der Sache ist: das Spiel ist intelligenter als die Entwickler selbst! Das inkomplett durchdachte kostenlose System ist der geniale Schlüssel zur imaginären Zelle der Person. Alsbald sie begreift, dass ihre aufrichtige Sorge und Liebe bei gleichbleibender Anstrengung und Mühe in absehbaren zwei Jahrzehnten niemals in einem Babyfisch resultieren werden, wird eine innere Kettenreaktion der gesamten aufgestauten Wut ausgelöst in der der aggressiven Frustration freier Lauf nach außen gewährt wird. So wird der Mensch unbeabsichtigt vor eine grundlegende Entscheidung gestellt: möchte er sein Leben weiterhin wie eine Seegurke verbringen und Browsergames über Fische programmieren, oder möchte er ab sofort wie ein Mann endlich ohne diese widerwärtigen Zigarettenfilter drehen. Das Browsergame dient dabei nur als Katalysator.

    Was sagst du zu meiner Theorie, lieber Kollege? „(o.p)“

    P.S. Hast du das Webcam Game angezockt? ^^

    • karma sagt:

      Wow, irgendwie einleuchtend. Lieber skatermouse, ich lasse mich immer wieder gerne von Ihrem feinen Sinn für Unsinn überraschen. Ich muss gestehen, dass ich das Webcam-Spiel leider noch nicht gezockt habe, aber ich sehe auch nicht viel Sinn darin, mich von Fischen pwnen zu lassen :D

Lass uns doch wissen, was du denkst!


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